Vor kurzem entdeckte ich auf meinem Weg nach Hause ganz unerwartet ein Gebäude, in welches ich mich auf den ersten Blick verliebte. Mit einer Fassade aus purem Weiß, voll mit teilweise verspielten Ornamenten, mit einem majestätisch anmutenden Eingangsportal, eingepfercht zwischen sandsteinfarbenen Altbauten, wie sie für den Kaßberg so typisch sind. Auf dem Kaßberg gibt es zwar viele Jugendstilbauten, aber kein Gebäude hat mich bisher so fasziniert, wie dieses. Je länger man hinsieht, umso mehr verspielte, künstlerische Details entdeckt man. Auf mich wirkt es einfach ganz und gar elegant.
Der Jugendstil kam an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf und umfasste fast alle Kunstgattungen: von der Architektur über die Malerei, Plastik und Glaskunst bis hin zur Literatur und Buchkunst. Einen besonderen Wert legten die (Bau)Künstler dabei auf die Dekoration von Flächen, auf Ornamente sowie wertvolle Materialien und elegante Rahmen. Denn das Ziel des Jugendstils, wie man an diesem Wohnhaus besonders schön sehen kann, war die Verbindung von Architektur, Kunsthandwerk und Kunst zu einem einheitlichen, ästhetischen Gesamtkunstwerk. Man wollte den Dingen eine dekorative Schönheit verleihen.
Was viele Chemnitzer vielleicht nicht wissen (und was ich bis vor Kurzem auch nicht wusste) ist, dass der Kaßberg eines der am besten erhaltensten Jugendstilquartiere zwischen Prag und Brüssel ist. Darauf aufmerksam machte mich ein Artikel der ZEIT. Darin wird unter anderem auch gesagt, dass wir diese aufwändig verzierten Fassaden so schön finden, weil wir heute das moderne, reduzierte Bauen gewöhnt sind. Genau das erklärt wahrscheinlich auch meine Faszination für diese weiße Perle.
KURZUM:
- Erich-Mühsam-Straße 24
- Stadtteil: Kaßberg
- Baustil: Jugendstil

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